Das Handicap fasst Ihre Spielstärke in einer einzigen Zahl zusammen – so können Einsteiger und erfahrene Golfer fair gegeneinander spielen. In diesem Ratgeber finden Sie die genauen Formeln des World Handicap Systems, zwei durchgerechnete Beispiele, eine Tabelle für Spieler mit weniger als 20 Ergebnissen und Tipps, wie Sie Ihr Handicap verbessern.
Was ist das Golf-Handicap?
Das Handicap (kurz Hcp) ist eine Zahl, die zeigt, wie gut Sie spielen: Je niedriger, desto besser. In einem Turnier mit Vorgabe erhält jeder so viele Schläge vor, wie es seiner Spielstärke entspricht, und verglichen werden die Nettoergebnisse, also die Ergebnisse nach Abzug dieser Schläge. So kann ein Einsteiger einen erfahreneren Mitspieler schlagen, wenn ihm für seine Verhältnisse eine bessere Runde gelingt.
Berechnet wird das Handicap heute nach dem einheitlichen World Handicap System (WHS), das ab 2020 eingeführt und 2024 überarbeitet wurde. Die wichtigsten Begriffe fasst die folgende Tabelle zusammen.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Handicap-Index | Ihre Spielstärke mit einer Nachkommastelle, höchstens 54,0. Er gilt auf allen Plätzen. |
| Score Differential | Das Ergebnis einer Runde, umgerechnet auf die Schwierigkeit des Platzes; aus diesen Werten wird der Index berechnet. |
| Course Handicap | Die Zahl der Vorgabeschläge, die Sie auf einem bestimmten Platz von bestimmten Abschlägen erhalten (früher „Spielvorgabe“). |
| Playing Handicap | Das Course Handicap, angepasst an die Spielform im Turnier. |
| Course Rating | Das erwartete Ergebnis eines Scratch-Spielers (Handicap 0) von den jeweiligen Abschlägen. |
| Slope Rating | Die Schwierigkeit des Platzes für einen Bogey-Spieler (etwa ein Schlag über Par pro Loch) im Vergleich zum Scratch-Spieler; 55–155, Standard 113. |
| PCC | Korrektur von −1 bis +3 für außergewöhnliche Bedingungen am Spieltag. |
Der Index wird aus Ihren besten Ergebnissen berechnet und zeigt daher eher Ihre guten Tage als den Durchschnitt aller Runden. Es ist also normal, dass die meisten Runden etwas schlechter ausfallen, als der Index vermuten ließe.
So wird der Handicap-Index berechnet
Grundlage ist das Score Differential jeder handicaprelevanten Runde. Es gibt an, wie viele Schläge Sie über dem Course Rating gespielt haben, umgerechnet auf einen Platz mit Standardschwierigkeit: Diese Formel gilt für ein Ergebnis über 18 Löcher; 9-Loch-Ergebnisse verarbeitet das System nach dem dafür geltenden WHS-Verfahren.
Score Differential = (113 / Slope Rating) × (bereinigtes Bruttoergebnis − Course Rating − PCC)
- Gewertetes Bruttoergebnis berücksichtigt die WHS-Höchstwerte je Loch für Handicapzwecke (siehe unten).
- Course Rating und Slope Rating gelten für die Abschläge, von denen Sie gespielt haben, und stehen meist auf der Scorekarte.
- PCC (Playing Conditions Calculation) ist eine Korrektur von −1 bis +3 für außergewöhnliche Bedingungen, etwa starken Wind. Das System ermittelt sie aus den Ergebnissen der Spieler, die an diesem Tag gespielt haben; unter normalen Bedingungen beträgt sie 0.
Beispiel: Score Differential einer Runde
Sie spielen ein bereinigtes Bruttoergebnis von 92 auf einem Platz mit Course Rating 71,2 und Slope Rating 128. Die Bedingungen waren normal, PCC ist also 0.
- 92 − 71,2 − 0 = 20,8
- 113 / 128 = 0,8828
- 0,8828 × 20,8 = 18,36, auf eine Nachkommastelle gerundet 18,4
Auf einem Platz mit gleichem Course Rating, aber Slope Rating 113 läge das Differential bei 20,8. Auf einem schwierigeren Platz wird dasselbe Ergebnis also günstiger bewertet.
Vom Differential zum Index
Der Handicap-Index ist der Durchschnitt der 8 niedrigsten, also besten Score Differentials aus Ihren letzten 20 Ergebnissen, gerundet auf eine Nachkommastelle. Mit jeder neuen handicaprelevanten Runde wird er neu berechnet: Das älteste Ergebnis fällt aus dem Fenster der 20 Runden heraus, das neue kommt hinzu. Das ist die Berechnungsgrundlage; Caps, außergewöhnliche Ergebnisse oder Entscheidungen des Handicapausschusses können den endgültigen Index verändern.
Den offiziellen Index berechnet das System Ihres nationalen Golfverbands. Wenn Sie verstehen möchten, warum er sich verändert hat, rechnen Sie selbst nach:
- Ermitteln Sie für jede Runde bereinigtes Bruttoergebnis, Course Rating, Slope Rating und PCC.
- Berechnen Sie die Differentials und runden Sie sie auf eine Nachkommastelle.
- Wählen Sie aus den letzten 20 die 8 niedrigsten aus.
- Der auf eine Dezimalstelle gerundete Durchschnitt ist die Grundlage vor weiteren möglichen WHS-Anpassungen.
Wenn Sie noch keine 20 Ergebnisse haben
Die Tabelle zeigt die Berechnung bei 3 bis 20 Ergebnissen. Wie viele Ergebnisse für den ersten Index erforderlich sind und wie weniger Ergebnisse behandelt werden, legt Ihr Verband fest:
| Anzahl Ergebnisse | Index berechnet aus | Korrektur |
|---|---|---|
| 3 | dem niedrigsten Differential | −2,0 |
| 4 | dem niedrigsten Differential | −1,0 |
| 5 | dem niedrigsten Differential | keine |
| 6 | dem Durchschnitt der 2 niedrigsten | −1,0 |
| 7–8 | dem Durchschnitt der 2 niedrigsten | keine |
| 9–11 | dem Durchschnitt der 3 niedrigsten | keine |
| 12–14 | dem Durchschnitt der 4 niedrigsten | keine |
| 15–16 | dem Durchschnitt der 5 niedrigsten | keine |
| 17–18 | dem Durchschnitt der 6 niedrigsten | keine |
| 19 | dem Durchschnitt der 7 niedrigsten | keine |
| 20 | dem Durchschnitt der 8 niedrigsten | keine |
Wäre etwa das Differential 18,4 aus dem ersten Beispiel das beste Ihrer vier Ergebnisse, läge Ihr Index bei 18,4 − 1,0 = 17,4. Ab sieben Ergebnissen wird nichts mehr abgezogen, und es fließen nach und nach mehr Runden in den Durchschnitt ein, am Ende 8 von 20.
Typische Fehler beim Nachrechnen
- Sie setzen das tatsächliche statt des bereinigten Ergebnisses ein.
- Sie verwenden Course Rating und Slope Rating von anderen Abschlägen als denen, von denen Sie gespielt haben.
- Sie runden zu früh. Auf eine Nachkommastelle gerundet werden erst das Differential und der Index, das Course Handicap auf eine ganze Zahl erst ganz am Ende.
Course Handicap und Playing Handicap: Wie viele Schläge Sie erhalten
Sie haben nur einen Handicap-Index, die Zahl der Vorgabeschläge hängt aber von Platz und Abschlag ab. Vor der Runde wird der Index deshalb in das Course Handicap umgerechnet: Die folgende Formel gilt für 18 Löcher.
Course Handicap = Handicap-Index × (Slope Rating / 113) + (Course Rating − Par)
Das Ergebnis wird auf eine ganze Zahl gerundet. Auf einem Platz mit höherem Slope Rating oder mit einem Course Rating über Par erhalten Sie mehr Schläge, auf einem leichteren weniger. In der Praxis berechnet meist die App des Verbands Ihr Course Handicap, oder Sie lesen es in einer Tabelle auf der Anlage ab.
Beispiel: Course Handicap für Index 18,4
Mit Index 18,4 spielen Sie einen Platz mit Slope Rating 135, Course Rating 72,3 und Par 72. So sieht die Rechnung aus:
- 18,4 × 135 / 113 = 21,98
- 72,3 − 72 = 0,3
- 21,98 + 0,3 = 22,28, auf eine ganze Zahl gerundet 22
Course Handicap 22 bedeutet hier einen Schlag an jedem Loch und einen weiteren an den Löchern mit Schlagvorgabenverteilung 1 bis 4. Diese steht auf der Scorekarte und ist nicht zwingend eine reine Rangliste der Schwierigkeit.
Playing Handicap im Turnier
Das Playing Handicap entsteht, indem die geltende Handicap-Allowance auf das ungerundete Course Handicap angewandt wird. Das WHS empfiehlt für Einzel-Zählspiel 95 %, doch der zuständige Verband und die Ausschreibung legen den gültigen Prozentsatz fest. Bei 95 % ergibt unser Beispiel 22,28 × 0,95 = 21,17, gerundet also 21 Schläge.
Netto-Doppelbogey: das Maximum pro Loch
Mit einem bereits festgesetzten Handicap-Index wird das Lochergebnis für Handicapzwecke in der Regel auf Netto-Doppelbogey begrenzt, anhand des vollen Course Handicaps statt des reduzierten Playing Handicaps. Vor dem ersten Index gilt Par + 5. Für sehr hohe Course Handicaps kann Regel 3.1 eine zusätzliche Grenze vorsehen.
Maximum pro Loch = Par + 2 + Vorgabeschläge, die Sie an diesem Loch erhalten
Bei Course Handicap 22 beträgt das Maximum an einem Par 4 mit einem Vorgabeschlag 4 + 2 + 1 = 7; bei Schlagvorgabenverteilung 1 bis 4 mit zwei Schlägen sind es 4 + 2 + 2 = 8. Ein höheres tatsächliches Ergebnis wird für Handicapzwecke auf diesen Wert begrenzt.
Für Handicapberechnung und Turnierpunkte können unterschiedliche Vorgabeschläge gelten. Im normalen Zählspiel müssen Sie einlochen; im Stableford dürfen Sie aufnehmen, sobald nach dem Playing Handicap keine Punkte mehr möglich sind. Was sonst auf dem Platz gilt, fasst unser Ratgeber zu den Golfregeln zusammen.
Handicap erhalten und führen
Handicaps führt der nationale Golfverband, meist über den Club, in dem Sie Mitglied sind. In Deutschland ist das der Deutsche Golf Verband (DGV), in Österreich der Österreichische Golf-Verband (ÖGV).
- Lernen Sie die Grundlagen. Erwerben Sie die Platzreife, also den Nachweis, dass Sie auf dem Platz spielen dürfen.
- Klären Sie die Registrierung im Club. Der Club erklärt Ihnen die Vorgaben des DGV beziehungsweise ÖGV für den ersten Handicap-Index. Anzahl der einzureichenden Ergebnisse und Anerkennung der Platzreife richten sich nach dem zuständigen Verband; 54,0 ist der Höchstwert, keine weltweit automatische Startvorgabe.
- Reichen Sie Ergebnisse ein. Zulässig sind Turnierrunden und registrierte Privatrunden in anerkannten Spielformen, auch über 9 Löcher. Beachten Sie Anmeldung und Zähleranforderungen Ihres Verbands, spielen Sie nach den Regeln und reichen Sie auch schlechte Ergebnisse ein.
- Schreiben Sie ehrlich mit. Notieren Sie Ihre Schläge nach jedem Loch, nicht erst im Clubhaus aus dem Gedächtnis. Auch ein Schlagzähler hilft dabei.
Ihren aktuellen Index finden Sie im System des Verbands, meist auch in dessen App. Die Regeln für die Anmeldung von Runden unterscheiden sich von Verband zu Verband; wenden Sie sich bei Unklarheiten an Ihren Club.
So verbessern Sie Ihr Handicap
Der Index sinkt, wenn Ihre besten Runden besser werden. Schläge sparen Sie vor allem rund ums Grün und an Löchern, an denen ein einziger Fehler zu einem hohen Ergebnis führt. Reichen Sie regelmäßig Ergebnisse ein, damit der Index Ihrer aktuellen Form entspricht.
Trainieren Sie das kurze Spiel
Geputtet wird an fast jedem Loch, und das kurze Spiel können Sie auch auf dem Übungsgrün trainieren, ganz ohne Driving Range. Wechseln Sie zwischen kurzen Putts aus ein bis zwei Metern, langen Putts für die Längenkontrolle und kurzen Schlägen rund ums Grün auf ein konkretes Ziel. Auch Trainingshilfen unterstützen Sie dabei.
Messen Sie mit den Schlägern für das kurze Spiel, wie weit Sie mit halbem und mit Dreiviertel-Rückschwung schlagen, und prüfen Sie, dass dazwischen keine großen Lücken entstehen. Wie Loft und Länge zusammenhängen, erklärt unser Ratgeber zum Loft von Golfschlägern.
Spielen Sie mit Köpfchen
Gehen Sie nach einem Fehler kein Risiko ein, sondern bringen Sie den Ball auf dem sichersten Weg zurück ins Spiel. Zielen Sie beim Schlag aufs Grün eher auf die Mitte als direkt auf die Fahne, besonders wenn die Fahne nahe an einem Bunker oder einer Penalty Area steckt. Es hilft, die genaue Entfernung zu kennen; wie Sie einen Entfernungsmesser oder eine GPS-Golfuhr auswählen, beschreibt unser Ratgeber zur Wahl des Entfernungsmessers.
Ausrüstung, die zu Ihnen passt
Schläger, die in Länge, Loft oder Schaft nicht zu Ihnen passen, können Sie dazu zwingen, Ihren Schwung anzupassen. Beim Custom Fitting in unserem Fitting-Studio messen wir auf den Simulatoren TrackMan iO und Uneekor EYE XO den Ballflug und die Schlägerbewegung: Schlägerkopfgeschwindigkeit, Anstellwinkel, Spin und Carry. Dafür stehen uns Testsätze von Köpfen und Schäften der Marken Callaway, TaylorMade, Titleist, Ping, Srixon, Mizuno, Cobra, Wilson und Cleveland zur Verfügung.
Ball und Putter
Wenn Sie immer dasselbe Ballmodell spielen, werden Ihre Längen und das Verhalten des Balls auf dem Grün berechenbarer. Den Putter nehmen Sie an fast jedem Loch in die Hand, deshalb sollte er in Länge und Kopfform zu Ihnen passen. Wie Sie den passenden finden, beschreibt unser Ratgeber zur Wahl des Putters.
Häufige Fragen
Welches Handicap hat ein Anfänger?
54,0 ist der höchstmögliche Handicap-Index. Welchen ersten Index Sie erhalten und welche Ergebnisse dafür nötig sind, richtet sich nach den Vorgaben Ihres Verbands und Ihrer nachgewiesenen Spielstärke. Die Platzreife allein ist keine weltweit einheitliche Berechnungsvorschrift.
Zählen auch 9-Loch-Runden fürs Handicap?
Ja, wenn die Runde und ihre Registrierung die Vorgaben Ihres Verbands erfüllen. Für 9 Löcher gilt ein eigenes WHS-Verfahren; setzen Sie den 9-Loch-Score nicht einfach in die hier gezeigte 18-Loch-Formel ein.
Verschlechtert eine schlechte Runde mein Handicap?
Meist nur wenig oder gar nicht. In den Index gehen die 8 besten der letzten 20 Ergebnisse ein, eine schwache Runde fließt also in der Regel nicht in die Berechnung ein. Der Index kann aber steigen, wenn ein älteres gutes Ergebnis aus dem Fenster der 20 Runden fällt; einen starken Anstieg begrenzt das WHS zudem im Verhältnis zu Ihrem niedrigsten Index der letzten 12 Monate.
Zusammenfassung
- Bei 20 Ergebnissen bilden die 8 besten Differentials die Grundlage; weitere WHS-Anpassungen und der Höchstwert 54,0 gelten.
- Score Differential = (113 / Slope Rating) × (bereinigtes Bruttoergebnis − Course Rating − PCC).
- Wie viele Schläge Sie auf einem bestimmten Platz erhalten, bestimmt das Course Handicap; im Turnier entsteht daraus je nach Spielform das Playing Handicap.
- Je Loch gilt der WHS-Höchstwert: meist Netto-Doppelbogey, vor dem ersten Index Par + 5.
- Das Handicap führt der nationale Verband über Ihren Club; auch 9-Loch-Runden zählen.
- Ihren Index senken Sie vor allem durch Training des kurzen Spiels, eine überlegte Strategie und Ausrüstung, die zu Ihnen passt.
Wenn Sie rund ums Grün und auf dem Weg dorthin Schläge sparen möchten, sehen Sie sich unsere Wedges, Putter sowie Entfernungsmesser und GPS-Golfuhren an.
Weitere Themen finden Sie in der Übersicht unserer Golf-Ratgeber.





















































